{"id":732,"date":"2023-06-10T14:41:54","date_gmt":"2023-06-10T14:41:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.wiprechtsgarten.de\/?p=732"},"modified":"2023-06-23T13:31:48","modified_gmt":"2023-06-23T13:31:48","slug":"die-wiprechtsburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wiprechtsgarten.de\/index.php\/2023\/06\/10\/die-wiprechtsburg\/","title":{"rendered":"Die Wiprechtsburg"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Wiprechtsburg ist heute eine Ruine. Vor 900 Jahren jedoch war sie eine der st\u00e4rksten Burgen im Wests\u00e4chsischen Gebiet. Die erste Befestigung wurde zu Beginn des 10. Jahrhunderts auf einem Gel\u00e4ndesporn \u00fcber der Schwennigke errichtet. Zuvor gab es dort keine offene slawische Siedlung. Die Befestigung wurde gro\u00dfz\u00fcgig angelegt, einschlie\u00dflich der Hangsch\u00fcttung am Nordrand, um Platz f\u00fcr eine ausgedehnte Besiedlung zu schaffen. Arch\u00e4ologische Untersuchungen haben gezeigt, dass in dieser Zeit nur eine sporadische Besiedlung des Gebiets nachweisbar war. Es scheint jedoch eine Siedlungskonzentration im Nordosten der Anlage gegeben zu haben. Die starken Siedlungsschichten lassen darauf schlie\u00dfen, dass die Besiedlung \u00fcber mehrere Jahrzehnte bestand. Das Ende der Burg in der zweiten H\u00e4lfte des 10. Jahrhunderts kann nur in begrenztem Ma\u00dfe erkl\u00e4rt werden. Die R\u00fcckseite der Mauer ist nach innen eingebrochen, und es gibt Hinweise auf verkohlte Holzreste von Geb\u00e4uden hinter der Mauer und im Inneren. Dies l\u00e4sst darauf schlie\u00dfen, dass ein gr\u00f6\u00dferer Brand die Burg zerst\u00f6rt hat. Die Ursache f\u00fcr den Einsturz der Mauer k\u00f6nnte in diesem Brand liegen. Die massiven Erdmassen wurden dadurch trocken und ergossen sich schuttkegelartig bis zu 7 Meter weit in das Innere der Burgfl\u00e4che und bedeckten die \u00dcberreste der Siedlung. Aufgrund des begrenzten ausgegrabenen Bereichs und des geringen Materials k\u00f6nnen keine eindeutigen Schl\u00fcsse auf die Funktion von Burg I gezogen werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Wiprechtsburg Groitzsch\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/HPjv4WmSLvc?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><figcaption class=\"wp-element-caption\">Wiprechtsburg Rekonstrukion<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Nach der Zerst\u00f6rung der ersten Burg wurde gleich darauf eine neue Anlage errichtet. Der Bau erfolgte in den gleichen Ausma\u00dfen wie zuvor. Die \u00dcberreste von Burg I wurden planiert und eine terrassenf\u00f6rmige Basis f\u00fcr den Aufbau der neuen Mauer geschaffen. Bei dieser Mauer wurden kastenartige Holzkonstruktionen verwendet. H\u00f6lzer wurden parallel zur Wallverlauf in einem Abstand von 1,70 bis 2,00 Metern \u00fcbereinander angeordnet. Die rechtwinklig dazu verlaufenden Unterz\u00fcge hatten gr\u00f6\u00dfere Abst\u00e4nde zueinander. Aufgrund des Erhaltungszustands des Holzes konnte die Art der Verbindung der Konstruktionselemente nicht eindeutig bestimmt werden. Die Hohlr\u00e4ume wurden mit Lehm gef\u00fcllt. Vor der \u00e4u\u00dfersten nachweisbaren Holzlage befand sich eine schr\u00e4ge Ansch\u00fcttung, die vermutlich als eine Art St\u00fctzmauer f\u00fcr eine \u00e4u\u00dfere Mauerfront diente, die jedoch nur vorsichtig erschlossen werden kann. Davor lag eine 2 Meter breite Terrasse. In diesem Bereich fehlen Steine, die auf eine Trockenmauer hindeuten w\u00fcrden. Direkt vor der Terrasse liegt ein \u00fcber 10 Meter hoher, nahezu 45 Grad geneigter Abhang, der in der Schwennigke-Aue endet. Die Mauer hatte eine Breite von nur 2 bis 4 Metern, je nach H\u00f6he. Sie grenzte im Westen an ein Bauwerk. Im Gegensatz zur Mauer bestand es aus senkrechten Pfosten, die im Abstand von etwa 1 bis 1,25 Metern in die Schichten von Burg I eingegraben waren. Starke Balken begrenzten das Holz-Erde-Werk von einem westlich angrenzenden, mindestens 4,60 Meter langen und ebenso breiten Hohlraum. Aufgrund der begrenzten Ausgrabungsfl\u00e4che war es nicht m\u00f6glich, weitere interessante Bereiche freizulegen, da eine Deckschicht von 7 bis 8 Metern und ein Profilwinkel von 60 Grad eine Erweiterung aus verschiedenen Gr\u00fcnden, vor allem aufgrund von Arbeitskr\u00e4ftemangel, nicht zulie\u00dfen. Die starke Verziegelung des in den Hohlr\u00e4umen eingeschlossenen Lehms deutet auf eine intensive Sauerstoffzufuhr hin. Es scheint, dass der Hohlraum zu Beginn des Brandes wie eine D\u00fcse gewirkt haben muss, obwohl keine Hinweise auf die Ursachen des Brandes vorliegen. Dies w\u00fcrde jedoch voraussetzen, dass westlich dieses Bauwerks ebenfalls eine hohe und wahrscheinlich massive Mauer als Hindernis vorhanden war. Der entsprechende Nachweis konnte aus technischen Gr\u00fcnden nicht erbracht werden. Das gilt auch f\u00fcr die Begrenzungen des Baus in n\u00f6rdlicher, westlicher und teilweise s\u00fcdlicher Richtung. Dadurch liegt ein Torso vor, dessen Interpretation au\u00dferordentlich schwierig ist. Aufgrund der Befunde ist es nicht eindeutig m\u00f6glich zu entscheiden, ob es sich um ein Tor oder einen Turm handelt. Angesichts der Gel\u00e4ndesituation scheint ein Tor jedoch unwahrscheinlich. Die Interpretation des Baus als ein Turm, der die Holz-Erde-Mauer verst\u00e4rkt, scheint plausibler zu sein. Es fehlen jedoch noch Parallelen aus diesem Arbeitsgebiet. Dennoch sei darauf hingewiesen, dass es Brakteaten aus Mei\u00dfen aus dem 12. Jahrhundert gibt, die Turmdarstellungen zeigen und wahrscheinlich damals \u00fcbliche Holzbauwerke darstellen. Zusammenfassend kann man sagen, dass Burg II in Groitzsch eine Holz-Erde-Mauer mit kastenartiger Konstruktion hatte, die wahrscheinlich durch T\u00fcrme aus Holz verst\u00e4rkt wurde. Die Anlage wurde durch einen gro\u00dffl\u00e4chigen Brand zerst\u00f6rt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">(Nach H.J Vogt, Die Wiprechtsburg von Groitzsch)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Wiprechtsburg ist heute eine Ruine. Vor 900 Jahren jedoch war sie eine der st\u00e4rksten Burgen im Wests\u00e4chsischen Gebiet. Die erste Befestigung wurde zu Beginn des 10. Jahrhunderts auf einem Gel\u00e4ndesporn \u00fcber der Schwennigke errichtet. Zuvor gab es dort keine offene slawische Siedlung. 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