{"id":255,"date":"2023-05-23T14:35:14","date_gmt":"2023-05-23T14:35:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.wiprechtsgarten.de\/?page_id=255"},"modified":"2023-05-23T14:35:34","modified_gmt":"2023-05-23T14:35:34","slug":"christrose","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.wiprechtsgarten.de\/index.php\/pflanzenlisten\/zierpflanzen\/christrose\/","title":{"rendered":"Christrose"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.wiprechtsgarten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Helleborus_niger.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-256\" width=\"554\" height=\"404\" srcset=\"https:\/\/www.wiprechtsgarten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Helleborus_niger.jpg 778w, https:\/\/www.wiprechtsgarten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Helleborus_niger-600x438.jpg 600w, https:\/\/www.wiprechtsgarten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Helleborus_niger-300x219.jpg 300w, https:\/\/www.wiprechtsgarten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Helleborus_niger-768x561.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 554px) 100vw, 554px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Christrose &#8211; Helleborus niger<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Christrose,<em> Helleborus niger<\/em>, spielte im Mittelalter eine symbolische und religi\u00f6se Rolle. Sie erhielt ihren Namen aufgrund ihrer Bl\u00fchtezeit zu Weihnachten. Sie wurde mit der Geburt Christi in Verbindung gebracht und galt als eine Blume, die Wunder und Hoffnung im Winter verk\u00f6rpert. Sie wurde oft in Kirchen und Kl\u00f6stern kultiviert und w\u00e4hrend der Weihnachtszeit in religi\u00f6sen Zeremonien verwendet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Etymologie des griechischen Wortes Helleboros ist nicht gekl\u00e4rt. Meist werden die Giftigkeit (\u03bb\u03b5\u03bd = umbringen) der Pflanze oder das Fl\u00fcsschen Helleboros in dem antiken Habitat nahe der Stadt Antikyra (Phokis) als Namensgeber genutzt. Die pharmazeutische Anwendung der schwarzen Christrose wurde aus antiken Pflanzenb\u00fcchern, allen voran dem Herbar des Dioscurides, im Wesentlichen in die Neuzeit \u00fcbernommen: Die abf\u00fchrende Wirkung sollte Nierenschmerzen, Harnstau, Wassereinlagerungen, Bauchschmerzen und L\u00e4hmungserscheinungen lindern sowie Erbrechen herbeif\u00fchren. Ferner sollte die Wurzel, in die Ohren gesteckt, Schwerh\u00f6rigkeit heilen. Die desinfizierende Wirkung sei nach antiken Autoren bei Hautkrankheiten, Zahnschmerzen und Hausputz angezeigt. Vor der Giftigkeit des Helleborus m\u00fcsse man sich vor allem beim Ausgraben h\u00fcten. Der Sammler sollte vorher zu seinem Schutz Wein und Knoblauch zu sich nehmen und zu Apoll und Asklepios beten. Au\u00dferdem m\u00fcsse der Flug des Adlers beobachtet werden, da sich dieser als Todesbote dazugeselle, wenn er das Sammeln der Rhizome beobachte. Die Wurzel m\u00fcsse rasch ausgegraben werden, weil der bei\u00dfende Geruch Kopfschmerzen verursache. Da der Helleborus, wie der deutsche Begriff \u201eNieswurz\u201c verr\u00e4t, zum Niesen anregt, ma\u00df man ihm eine den Geist anregende wie reinigende Wirkung zu. Durch heftiges Reiben der Wurzel in der Nase sollte so durch Niesen \u00fcbersch\u00fcssiger und sch\u00e4dlicher Schleim den K\u00f6rper verlassen. Nach antiker S\u00e4ftelehre wurden nerv\u00f6se St\u00f6rungen und psychische Leiden durch ein \u00dcberma\u00df an schwarzem, bitterem Schleim verursacht, das man durch Niesen am besten reduzieren k\u00f6nne. Die Christrose wurde daher ferner als Medizin gegen Kopfschmerzen, Epilepsie und Wahnsinn eingesetzt. Horaz r\u00e4t in seinen Satiren, gegen die gr\u00f6\u00dfte Verr\u00fccktheit im r\u00f6mischen Reich, dem weit verbreiteten Geiz, die gesamte Dosis an Nieswurz zu verabreichen, die sich um Antikyra finden l\u00e4sst. Der literarische Topos der \u201eKur des Melampus\u201c, die aus einem Purgationsmittel von Milch und einem Nieswurzelextrakt bestand, wurde gegen Rinderwahn, der auch Menschen befallen kann, seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. mehrfach beschrieben. Ebenso soll Herakles vom Wahnsinn mittels Helleborus geheilt worden sein. <\/p>\n\n\n\n<p>Die reinigende Wirkung der Nieswurz findet sich schon bei den Hippokratischen Heilmethoden, wobei namentlich sowohl die wei\u00dfe wie auch schwarze Nieswurz Verwendung findet. Die Beherrschung des giftigen Helleborus war nur ausgewiesenen Reinigungspriestern vorbehalten. Die Nieswurz vermochte nach geheimen Riten die innere \u201eBefleckung\u201c an sich zu ziehen und nach au\u00dfen zu bef\u00f6rdern. Zauberpapyri gingen von einer \u00e4hnlich magischen Wirkungsweise aus: Neben Krankheiten sollten auch b\u00f6se Geister und D\u00e4monen ausgeniest werden. Schwerm\u00fctige sollten die Wurzel zus\u00e4tzlich um den Hals tragen. Eine im positiven Sinne reinigende Wirkung des Geistes kann aber nach Plinius ebenfalls durch die Verabreichung von Nieswurz zur Sch\u00e4rfung der Sinne und des Verstandes erreicht werden. Die hochtoxische Wirkung des Helleborus wurde nach Pausanias in dem Krieg gegen die Stadt Kirrha von Solon genutzt, als jener mit den Wurzeln das Fl\u00fcsschen Pleisthenes vergiftete und so die Stadtbewohner, die auf diese einzige Wasserversorgung angewiesen waren, wenig ruhmreich durch anhaltenden Durchfall zur Kapitulation zwang. Kleistenes von Sikyon soll sich bei der Belagerung von Krissa der gleichen Kriegslist bedient haben. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden Giftgeschosse mit Ranunculusarten wie z. B. Helleborus oder Kr\u00f6tenschleim gef\u00fcllt und \u00fcber die feindliche Festung katapultiert. Diese Art der biochemischen Kriegsf\u00fchrung wurde wegen ihrer Erfolglosigkeit eingestellt, da sich der giftige Qualm allzu schnell verfl\u00fcchtigte.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Mittelalter soll Karl der Gro\u00dfe erfolglos die Christrose als Arzneipflanze zur Fiebersenkung auf Meierh\u00f6fen kultiviert haben. Das Lorscher Arzneibuch (Ende des 8. Jahrhunderts) weist mehrere Nieswurz-Rezepturen mit purgierender Wirkung aus. Wie andere Arzneipflanzen wurde auch die Christrose in einen mystischen und kosmologischen Zusammenhang eingebunden und \u00fcberh\u00f6ht, ohne allerdings eine besondere Bedeutung einzunehmen. <\/p>\n\n\n\n<p>(Siehe https:\/\/ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de\/christrose\/)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Christrose, Helleborus niger, spielte im Mittelalter eine symbolische und religi\u00f6se Rolle. Sie erhielt ihren Namen aufgrund ihrer Bl\u00fchtezeit zu Weihnachten. Sie wurde mit der Geburt Christi in Verbindung gebracht und galt als eine Blume, die Wunder und Hoffnung im Winter verk\u00f6rpert. 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