{"id":153,"date":"2023-02-16T10:40:09","date_gmt":"2023-02-16T10:40:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.wiprechtsgarten.de\/?page_id=153"},"modified":"2023-04-15T10:30:57","modified_gmt":"2023-04-15T10:30:57","slug":"porree","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.wiprechtsgarten.de\/index.php\/pflanzenlisten\/gemuese\/porree\/","title":{"rendered":"Porree"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-media-text alignfull is-stacked-on-mobile is-vertically-aligned-center\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"530\" height=\"800\" src=\"https:\/\/www.wiprechtsgarten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Porree.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-171 size-full\" srcset=\"https:\/\/www.wiprechtsgarten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Porree.jpg 530w, https:\/\/www.wiprechtsgarten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Porree-199x300.jpg 199w\" sizes=\"auto, (max-width: 530px) 100vw, 530px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<h3 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-text-color\" style=\"color:#000000\"><\/h3>\n\n\n\n<p>In den schriftlichen Quellen Deutschlands l\u00e4\u00dft sich der Name <em>porrum<\/em> bzw. <em>porros<\/em> bis zum Capitulare Karls d. Gr. und den fr\u00fchesten Inventaren kaiserlicher G\u00e4rten vom Anfang des 9. Jahrhunderts zur\u00fcckverfolgen. In der Physika der hl. Hildegard (1098-1179) werden sowohl <em>Porrum<\/em> als auch Lauch genannt. Nach ihren Beschreibungen haben diese Pflanzen jedoch r\u00f6hrige oder hohle Bl\u00e4tter, wie dies bei der Zwiebel und beim Schnittlauch der Fall ist, aber nicht beim Porree.<\/p>\n\n\n\n<p>Sichere Kunde \u00fcber den Porree erhalten wir aus den Kr\u00e4uterb\u00fcchern vom Ende des 16. Jahrhunderts an. So gibt Joachim Camerarius aus N\u00fcrnberg (1586 geschrieben, 1626 gedruckt) in seiner Neubearbeitung eines \u00e4lteren Kr\u00e4uterbuches von Mattioli aus Siena Abbildungen und Beschreibungen mehrerer Allium-Arten, von denen folgende mit heutigen Namen sicher zu identifizieren sind: Porree, Schnittlauch, Schalotte und Zwiebel (Abb. 59). Vom Porree ist sowohl eine junge, nicht bl\u00fchende Pflanze als auch ein \u00fcberwintertes, bl\u00fchendes Exemplar abgebildet. Vergleicht man dies mit unserem heute angebauten, so f\u00e4llt die Ver\u00e4nderung im unteren Stengelteil auf. Der von 1586 besitzt an der Basis eine Zwiebel, unser heutiger ist dort nur schwach verdickt. Der Porree hat die F\u00e4higkeit, unter bestimmten Bedingungen Zwiebeln zu bilden. Wird n\u00e4mlich der Bl\u00fctenschaft, der im zweiten Jahr emporw\u00e4chst, fr\u00fchzeitig abgeschnitten, entwickeln sich an der Stengelbasis eine bis mehrere Zwiebeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00e4ltesten Nachweise von Lauch stammen aus \u00c4gypten, und zwar aus dem Neuen Reich (18.-20. Dyn., 1550-1320 v. Chr.) und aus der Sp\u00e4tzeit (bis zur 24. Dyn., 7. Jh. v. Chr.). Es handelt sich um Pflanzenfunde in Gr\u00e4bern. Bildliche Darstellungen fehlen. Das \u00c4lteste sind Beigaben von mehreren St\u00fccken mit Bl\u00e4ttern und Wurzeln im Grab des Taiyn (18. Dyn.).<\/p>\n\n\n\n<p>Der hieroglyphische Name f\u00fcr Lauch ist belegt seit dem Anfang des Mittleren Reichs (ab 11. Dyn., 2050-1991 v. Chr.). Das Wort Lauch hat aber auch die Bedeutung f\u00fcr Gem\u00fcse im allgemeinen.<\/p>\n\n\n\n<p>In Blumengebinden aus Mumiengr\u00e4bern sind von Georg Schweinfurth Bl\u00e4tter von <em>Allium kurrat<\/em> nachgewiesen worden. Kurrat ist eine porree-\u00e4hnliche Lauchart, dessen Bl\u00e4tter heute noch unter dieser Bezeichnung in \u00c4gypten, dem Yemen und in Pal\u00e4stina als Salat, W\u00fcrze und Aphrodisiakum gegessen werden. In Griechenland und im R\u00f6mischen Reich, zur Zeit des klassischen Altertums, sind au\u00dfer Zwiebeln und Knoblauch auch Lauch(Allium)arten zur Nutzung der gr\u00fcnen Bl\u00e4tter als Gem\u00fcsepflanzen angebaut worden. In Italien wurden zwei Arten unterschieden: <em>porrum capitatum<\/em> und <em>porrum sectivum<\/em>. Ersterer entspr\u00e4che unserem gew\u00f6hnlichen Porree, der zweite wurde mehrmals abgeschnitten, weil vermutlich die Bl\u00e4tter als Gem\u00fcse genutzt worden seien. Die letztgenannte Pflanze kann aber auch eine andere Allinm-Art gewesen sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Porree gibt es nicht als Wildpflanze. Sein n\u00e4chster Verwandter ist der wilde Sommerlauch (Allium ampeloprasum L.). Dieser wird seit dem gro\u00dfen franz\u00f6sischen Botaniker De Candolle (1883) als direkte Stammform des kultivierten Porrees angesehen. Der wilde Sommerlauch ist einheimisch im Mittelmeergebiet, in Kleinasien (T\u00fcrkei), im Vorderen Orient und in Nordafrika (nach Hegi). Eine Vorstellung von der Pflanze in Mittelitalien gibt Taf. 79. Jede Pflanze bildet einen einzigen, unverzweigten, runden Stengel. An dessen Spitze steht eine gro\u00dfe, halbkugelige Bl\u00fctendolde, die je nach Bl\u00fctenzustand rosarot oder gr\u00fcnlich-wei\u00dflich ist. Der Stengel ist in der unteren H\u00e4lfte bis etwa ein Drittel H\u00f6he mit drei bis vier schmalen, flachen Laubbl\u00e4ttern besetzt, von denen jedes Blatt eine nach unten bis zur Zwiebel reichende Blattscheide bildet. Die in der Erde wachsende Zwiebel ist zwischen 2 und etwa 5 Zentimeter breit, wei\u00dfh\u00e4utig und besteht aus 2-3 (bis 5) Teilzwiebeln, auf deren R\u00fccken je eine kleine etwa erbsengro\u00dfe Brutzwiebel (Bulbille) sitzt. Man sieht die Pflanzen in Gras- oder niederer, halboffener Strauchvegetation (Garigue), sogar direkt neben den Stra\u00dfen. Von dort mitgebrachte Zwiebeln trieben im folgenden Fr\u00fchjahr schon nach einer Woche aus. Nach einem Monat hatten sich bis zu 25 Zentimeter hohe Pflanzen mit je vier langen, schmalen Bl\u00e4ttern und geschlossenen Blattscheiden entwickelt. Von unserem Lauch (Porree) unterscheiden sie sich vor allem durch eine grasgr\u00fcne (statt blaugr\u00fcne) Farbe und d\u00fcnnerem, mehr in die L\u00e4nge gestrecktem Wuchs. Sie lassen sich deutlich von der heutigen Kulturart unterscheiden. Allium ampeloprasum soll im ersten Teil unseres Jahrhunderts stellenweise auch in Mitteleuropa angebaut worden sein, z. B. bei Erfurt und N\u00fcrnberg, in S\u00fcdwestengland, in Westirland und in Westfrankreich. Die kleinen, wei\u00dfen Zwiebelchen wurden als sog. Perlzwiebeln f\u00fcr Speisezwecke gebraucht, u. a. f\u00fcr die Mixed Pickles oder gesondert in Essig eingelegt. In England und Frankreich findet sich diese Pflanzenart heute noch in den fr\u00fcheren Anbaugebieten in verwildertem Zustand. F\u00fcr Deutschland wird sie in den Floren nicht angegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Das nahe Verwandtschaftsverh\u00e4ltnis zwischen Porree und dem wilden Sommerlauch spiegelt sich auch in der gleichen Chromosomenzahl (2n = 32) wider, die dann nur noch der \u00e4gyptische Kurrat hat. Eine grundlegende botanische Bearbeitung der kultivierten Allium-Arten samt ihren wilden Vorfahren oder Verwandten hat Helm (1956) gegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben den Porree jedenfalls urspr\u00fcnglich aus Italien und wahrscheinlich im Laufe des Mittelalters bekommen. Theoretisch w\u00e4re es denkbar, da\u00df er auch schon w\u00e4hrend der R\u00f6merzeit im r\u00f6mischen Germanien gezogen worden ist. Funde gibt es bisher noch keine. Aber da der Porree aus Samen vermehrt wird und diese eine gut kenntliche Form und Struktur haben, darf damit gerechnet werden, da\u00df diese in r\u00f6mischen Gruben- oder Brunnenf\u00fcllungen auftauchen, so wie es bei anderen Pflanzen der Fall war (z. B. bei der Garten-Melde, R\u00fcbe\/Mangold, Dill, Sellerie). <\/p>\n\n\n\n<p>Nach K\u00f6rber-Grohne, Udelgard. <em>Nutzpflanzen in Deutschland: Kulturgeschichte und Biologie<\/em>. Theiss, 1987, S. 255 ff.<\/p>\n<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den schriftlichen Quellen Deutschlands l\u00e4\u00dft sich der Name porrum bzw. porros bis zum Capitulare Karls d. Gr. und den fr\u00fchesten Inventaren kaiserlicher G\u00e4rten vom Anfang des 9. Jahrhunderts zur\u00fcckverfolgen. In der Physika der hl. 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